#FightForYourHumanRight

[DT]

EUROPÄISCHE KLIMAKLAGE

Die Klimakrise ist auch eine Krise der Grund- und Menschenrechte. Grundrechte wie das Recht auf Leben und das Recht auf Gesundheit normieren eine Schutzpflicht des Staates. Diese Pflichten müssen auch in der aktuellen Krise gelten. Daher wird es höchste Zeit, die Wirksamkeit dieser Schutzpflichten gerichtlich anerkennen zu lassen und zwar bei dem Gerichtshof, der die bindende Autorität für Grund- und Menschenrechtsfragen ist: der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR).

Der EGMR hat bisher noch keine Entscheidung getroffen, aber bereits sein Interesse an diesen zukunftsweisenden Fragen begründet. Der Fall, den ich mit Unterstützung von Fridays for Future einbringen werde, betrifft einen jungen Menschen, der bereits jetzt von den Folgen der Klimakrise konkret betroffen ist.

Der Beschwerdeführer, Mex M ist an multipler Sklerose erkrankt und leidet – wie 60 bis 80% aller MS Patientinnen – unter dem Uhthoff Syndrome. Das bedeutet, dass sich seine Krankheitssymptome durch die Hitze verschlimmern. Ab 25°C aufwärts, ist er auf einen Rollstuhl angewiesen, ab ca 30°C kann er diesen nicht mehr alleine schieben. Die Klimakrise hat also schon jetzt ganz konkrete, negative Auswirkungen auf sein Leben. Schon heute bedroht sie sein verfassungsrechtlich verankertes Menschenrecht auf Familien- und Privatleben gemäß Art 8 EMRK, das sein psychisches und physisches Wohlergehen vor massiven negativen Einflüssen schützen soll.

Argumentiert wird, dass Österreich ihm gegenüber eine Schutzpflicht gemäß Artikel 8 EMRK trifft, aufbauend auf zahlreiche Fälle des Gerichtshofes zu umweltschädlichen Einflüssen und Naturkatastrophen. Darüber hinaus kann Mex M seine Rechte in Österreich nicht wirksam einklagen, es gibt kein Gericht, das ihn inhaltlich hört und hören muss. Dieses Defizit im Rechtssystem verletzt allerdings sein Recht auf eine wirksame Beschwerde gemäß Art 13 EMRK, denn ein Recht, das nicht einforderbar ist, ist letztlich nur ein Stück Papier.

Die Beschwerde von Mex M betrifft somit einerseits sein Recht auf Klimaschutz und andererseits sein Recht Klimaschutz auch wirksam einfordern zu können. Mehr Details zu dem Verfahren finden sich auch unter: https://klimaklage.fridaysforfuture.at. Die Beschwerde wurde nunmehr beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) eingereicht.

Würde Mex M. Recht gegeben werden, könnte der EGMR Österreich dazu verpflichten eine wirksame Beschwerdemöglichkeit zu schaffen, und auch mehr im Kampf gegen die Auswirkungen der Klimakrise für Betroffene zu tun. Das Urteil hätte auch Signalwirkung für alle 47 anderen Länder, die die EMRK ratifiziert haben – also für 820 Millionen Menschen, denn in zukünftigen Urteilen müssten sich dann die Gerichte an diesem Urteil orientieren.

[EN]

EUROPEAN CLIMATE CASE

The climate crisis poses an immense threat to human rights. It is time that the states’ duty to protect the life and health of its citizens is declared by courts. In particular by the European Court of Human Rights (ECtHR) which is the authority concerning the interpretation of the European Convention of Human Rights. Its decisions are binding for all 47 member states.

The ECtHR has declared great interest in ruling on the issue of the climate crisis and human rights. Together with Fridays for Future, I want to take on the inaction by the Austrian state to more quickly and effectively combat the climate crisis. I do this on behalf of one person who already is particularly vulnerable to the climate crisis.

The petitioner Mex M. suffers from multiple sclerosis. Like 60 to 80% of all MS patients, Mex also suffers from the Uhthoff’s syndrome, a temperature induced sensitivity exacerbating his symptoms of disease. At temperatures of about 25°C and beyond, he starts to get dependent on a wheelchair. Once temperatures reach about 30°C and plus, he is no longer able to push the wheelchair by himself. The gradient loss of control over his muscular movement is a direct impact of the effects of the climate crisis, affecting his constitutional right to family and private life under Article 8 ECHR.

It is argued that in his case the state has a duty to protect his physical and psychological integrity under Article 8 based on the Court’s jurisprudence with regards to natural hazards and environmental disasters. Furthermore, Mex M has no opportunity to claim the infringement of his rights under current national laws. No court or authority is obliged to hear his case on the merits. This systemic deficit infringes his right to an effective remedy under Art 13 ECHR.

The petition with the European Court of Human Rights (ECtHR) thus concerns his right to effective climate protection as well as his right to have his case heard by a competent authority or court. You find more details under https://klimaklage.fridaysforfuture.at/en.

A win before the ECtHR would oblige Austria to combat the climate crisis by more effective measures (laws, administrative regulations), as well as to provide a complaint mechanism if climate measures are inadequate or not set. A decision would also impact all the 47 states which are party to the ECtHR, as the ECtHR is the binding authority regarding the interpretation of the ECHR. Its jurisprudence has thus to be considered by all 47 national courts.

Fallunterlagen / Case Documents

Beschwerde an den EGMR / Petition to the ECtHR

Auszug der Presseaussendungen / Extract of press releases/ Videos

MS patient sues Austria over health impact of climate change

Herausgeber: The Washington Post, 2.3.2021

Multiple-Sklerose-Erkrankter plant Klimaklage

Herausgeber: Spiegel, 2.3.2021

Ab 25 Grad nur noch im Rollstuhl

Herausgeber: Die Presse (Michael Lohmeyer), 2.3.2021

Österreichs Klimapolitik wird vor dem Menschenrechtsgerichtshof verklagt

Herausgeber: Der Standard (Jakob Pflügl), 1.3.2021

© Stefan Fürtbauer